Wenn ich meinen Monatsrückblick schreibe, schaue ich mir normalerweise zuerst die Fotos an, die ich in den vergangenen Wochen gemacht habe. Das ist mein bewährter Trick, um mich an all die kleinen und großen Ereignisse zu erinnern, die sonst im Alltag untergehen. Diesmal war die Ausbeute allerdings einigermaßen ernüchternd. Flipcharts, Teilnehmernotizen, Unterrichtsmaterialien, noch mehr Flipcharts. Dazwischen immerhin ein Foto von selbst gemachter Quittenmarmelade. Viel mehr hatte mein Oktober offenbar nicht zu bieten. Zumindest nicht fotografisch.
Und tatsächlich war dieser Monat ziemlich einseitig. Meine neue Tätigkeit als Dozentin hat einen Großteil meiner Zeit und Energie beansprucht. Ich habe unterrichtet, vorbereitet, organisiert, kopiert, erklärt, zugehört, nachgedacht und wieder vorbereitet. Ich habe Menschen kennengelernt, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Erfahrungen mitbringen und die sich gemeinsam auf ein neues berufliches Ziel vorbereiten. Das ist spannend, manchmal herausfordernd und oft auch richtig schön. Besonders dann, wenn ich merke, dass etwas verstanden wurde, eine Diskussion entsteht oder jemand plötzlich einen Zusammenhang erkennt.

Was ich dabei allerdings unterschätzt habe, ist der Aufwand drumherum. Unterricht besteht eben nicht nur aus den Stunden, in denen man vor einer Gruppe steht. Und weil ich nun einmal so bin, wie ich bin, möchte ich die Dinge nicht einfach irgendwie machen, sondern gut. Ich denke mit, entwickle Ideen, suche nach Lösungen und beschäftige mich auch mit Fragen, für die ich streng genommen gar nicht zuständig bin. Das kann eine Stärke sein. Es kann aber auch ziemlich anstrengend werden.

Auch über meine eigenen Erwartungen an Zusammenarbeit habe ich im Oktober einiges gelernt. Mir ist noch einmal bewusst geworden, wie wichtig mir Transparenz, nachvollziehbare Entscheidungen und ein respektvoller Austausch sind. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich manchmal ziemlich viel Energie darauf verwende, Dinge verstehen oder verändern zu wollen, auf die ich nur begrenzt Einfluss habe. Vielleicht gehört es auch zu den Herausforderungen einer neuen Aufgabe, herauszufinden, wo es sich lohnt, sich einzubringen, und wo man die Dinge einfach einmal so stehen lassen kann.
Mein Energiehaushalt hat jedenfalls deutlich signalisiert, dass der Oktober kein gewöhnlicher Monat war. Ich bin abends regelmäßig gegen halb neun auf dem Sofa eingeschlafen. Von ausgedehnten Spaziergängen, herbstlichen Unternehmungen oder sonstigen Freizeitaktivitäten kann ich entsprechend wenig berichten. Ich war viel zu selten draußen, obwohl der Oktober durchaus schöne Tage zu bieten hatte. Und als die Uhren auf Winterzeit umgestellt wurden, habe ich diese eine geschenkte Stunde geradezu gefeiert. Dass ich an diesem Samstagmorgen schon früh ausgeschlafen am Schreibtisch sitze und meinen Monatsrückblick vorbereite, verdanke ich vermutlich auch dieser kleinen Zeitverschiebung. Man wird offenbar bescheiden, was die Höhepunkte des Monats angeht.

Immerhin gab es Quitten. Ich habe Gelee gekocht, mich mit Chutney beschäftigt und ein paar Gläser verschenkt. Außerdem habe ich mich ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt, wie schwer ein Schaf aus massivem Sandstein sein könnte und wie man es von der Lüneburger Heide nach Hannover transportiert. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Aber ich finde, ein Monat, in dem man über den Transport eines steinernen Schafes nachdenkt, kann nicht vollständig verloren sein.
Auch meine Arbeit in der eigenen Coachingpraxis und mein Engagement für die Gemeinschaft Kirchroder Kaufleute liefen weiter. Ich habe an Texten gearbeitet, Menschen im Coaching begleitet und mich mit den Vorbereitungen für den Gewerbeerlebnissonntag im November beschäftigt. Alles Dinge, die mir wichtig sind und die im Oktober manchmal ein bisschen um die verbleibende Zeit konkurrieren mussten.

Und dann war da noch Trudi. Unsere kleine Pudeldame hat gesundheitlich leider wieder Anlass zur Sorge gegeben. Es zieht sich inzwischen wie ein roter Faden durch unser gemeinsames Leben, dass wir uns immer wieder mit ihrem empfindlichen Magen und ihrem Wohlbefinden beschäftigen müssen. Ich würde mir sehr wünschen, dass sie einfach einmal über längere Zeit rundum gesund und munter ist. Aber Wünsche und Wirklichkeit sind bekanntlich nicht immer deckungsgleich.
So weit also die äußere Bilanz eines Monats, der sich über weite Strecken eher nach Arbeit als nach Leben angefühlt hat. Und trotzdem wäre es falsch, ihn darauf zu reduzieren. Denn irgendwann zwischen all den Terminen, Gedanken, Ärgernissen und müden Abenden hatte ich einen Moment, der mir vermutlich länger in Erinnerung bleiben wird als sämtliche Flipcharts zusammen.
Plötzlich war da dieser Gedanke: Ihr könnt mich alle mal gerne haben.
Das klingt zunächst nicht besonders versöhnlich und schon gar nicht nach einer großen Erkenntnis. Aber es war auch kein Wutausbruch. Es war vielmehr ein ausgesprochen befreiender Moment. Mir wurde mit einer Deutlichkeit bewusst, die ich so lange nicht empfunden hatte, dass ich nicht abhängig bin. Dass ich mein Leben selbst bestimmen kann. Dass ich Entscheidungen treffen, Dinge verändern und auch wieder gehen kann, wenn etwas für mich nicht passt.
Und dass ich, egal wie turbulent es draußen zugeht, unglaublich viel habe, wofür ich dankbar bin.
Ein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle. Meine Ehe. Meine Kinder. Unseren Hund. Menschen, die zu meinem Leben gehören. Meine eigene Praxis, meine Erfahrungen, meine Fähigkeiten und all die Möglichkeiten, die ich mir im Laufe der Jahre erarbeitet habe. Nichts davon ist selbstverständlich. Und vieles davon hat mit den Dingen, über die ich mich gerade aufrege, überhaupt nichts zu tun.
Natürlich wusste ich das alles vorher schon. Aber zwischen etwas zu wissen und es mit jeder Faser zu empfinden, liegt manchmal ein erstaunlich großer Unterschied.
In diesem Moment hatte ich das Gefühl, ein kleines Stück in Drachenblut gebadet zu haben.
Wer die Nibelungensage kennt, weiß, dass Siegfried durch das Bad im Drachenblut nahezu unverwundbar wurde. Nur eine kleine Stelle blieb ungeschützt. Ganz so weit würde ich bei mir nun nicht gehen. Ich kenne meine verletzlichen Stellen ziemlich gut. Ich ärgere mich weiterhin, nehme mir manches zu Herzen und werde vermutlich auch künftig gelegentlich mehr Verantwortung übernehmen, als unbedingt nötig wäre.
Aber vielleicht muss man gar nicht vollständig unverwundbar werden. Vielleicht reicht schon die Erkenntnis, dass nicht jeder Konflikt, nicht jede Enttäuschung und nicht jede schwierige Situation gleich das ganze Leben infrage stellt.
Dabei geht es mir keineswegs darum, alles hinzunehmen oder mir Schwierigkeiten schönzureden. Ich darf Dinge kritisieren, Erwartungen haben und mich über schlechte Entscheidungen ärgern. Ich darf mich engagieren und gute Arbeit machen wollen. Aber ich muss nicht zulassen, dass das, was gerade nicht gut läuft, meine gesamte Aufmerksamkeit beansprucht.
Das ist übrigens leichter geschrieben als gelebt. Auch das hat mir der Oktober gezeigt.
Vielleicht war dieser Monat deshalb trotz aller Anstrengung wichtig. Nicht, weil ich besonders viel erlebt oder erreicht hätte. Sondern weil ich mich daran erinnert habe, dass mein Leben sehr viel größer ist als die Aufgabe, die gerade den größten Teil meiner Zeit beansprucht.
Für den November wünsche ich mir wieder mehr Zeit draußen, mehr unverplante Stunden, möglichst wenig gesundheitliche Aufregung um Trudi und vor allem ein besseres Verhältnis zwischen dem, was ich tun muss, und dem, was ich tun möchte.
Und falls es wieder turbulent wird, habe ich ja jetzt zumindest ein bisschen Drachenblut.
Mal sehen, wie weit ich damit komme.
Was ich im Oktober gebloggt habe
Im Oktober war es auf meinem Blog etwas überschaubarer. Vier Artikel sind es geworden, immerhin eine Mischung aus persönlichen Einblicken, Coachingthemen und kritischen Gedanken.
- Monatsrückblick September 2026: 25 Stunden sind auch ganz schön viel: Mein beruflicher Neustart und die Erkenntnis, dass Teilzeit nicht automatisch wenig Arbeit bedeutet.
- 12von12 Oktober 2026: Die Herbstbunt-Edition: Ein ganz normaler Oktobertag mit herbstlichen Eindrücken und kleinen Alltagsgeschichten.
- 6 Anzeichen, an denen ich erkenne, dass du versuchst, Unkontrollierbares zu kontrollieren: Warum wir manchmal so viel Energie darauf verwenden, Dinge beeinflussen zu wollen, die gar nicht in unserer Hand liegen.
- Gedankenarabeske #7: Vertrauen wird belohnt. Ach, tatsächlich?: Eine kritische Betrachtung von Unternehmenswerten, dem merkwürdigen Gedanken, Vertrauen könne belohnt werden, und der Frage, ob die viel beschworenen Werte eigentlich für alle gleichermaßen gelten.
Im Nachhinein finde ich es bemerkenswert, wie gut gerade die beiden letzten Artikel zu meinen persönlichen Erfahrungen im Oktober passen. Offenbar haben mich die Themen Kontrolle, Vertrauen und Selbstbestimmung nicht nur im Alltag beschäftigt, sondern auch beim Schreiben. Vielleicht sollte ich meine eigenen Blogartikel gelegentlich noch einmal lesen.
Ausblick auf den November
- Die Geburtstagssaison einläuten und bei einigen Familienfeiern wieder mehr Zeit miteinander verbringen.
- An drei Abenden selbst wieder die Schulbank drücken und mich beim Seminar zum lösungsorientierten Coaching inspirieren lassen.
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Am 15. November beim Gewerbeerlebnissonntag im Leonardo Hotel Kirchrode mit meinem kleinen Klarplatz-Stand dabei sein. Über Besuch freue ich mich natürlich ganz besonders!
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Mehr Zeit draußen verbringen, auch wenn das Novemberwetter nicht unbedingt dazu einlädt.
- Wieder öfter zum Zeichenstift greifen und meinen Vierhaaren etwas Aufmerksamkeit schenken.
- Mich nicht vom Alltag vollständig vereinnahmen lassen und mein bisschen Drachenblut gut nutzen.
- Die dunkle Jahreszeit einigermaßen gut überstehen und staunend zusehen, wie das Jahr seinem Ende entgegenrast.
Mein kleines Buch „Einfacher wird es nicht (aber vielleicht schöner)“ ist ein Herzensprojekt – voller humorvoller Gedanken und mit ganz vielen Vierhaaren, die mit ihren Impulsen zur Leichtigkeit im Alltag anregen. Wenn Du neugierig bist, wie die kleinen Dinge manchmal große Veränderungen bringen, schau gerne rein! Hier ist die Geschichte hinter dem Buch.






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