Warum hinter dem Wunsch nach Kontrolle häufig ein Bedürfnis nach Sicherheit steckt und wie du lernst, deine Energie sinnvoller einzusetzen.
„Ich verstehe einfach nicht, warum sie sich so verhalten hat.“ „Ich habe das Gespräch schon hundertmal im Kopf durchgespielt.“ „Wenn ich vorher gewusst hätte, was passiert, hätte ich mich anders entschieden.“
Solche Aussagen lassen mich als Coachin aufmerksam werden. Denn obwohl sie auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, könnte sich dahinter ein gemeinsames Muster verbergen: Jemand versucht, durch Nachdenken, Planen, Analysieren oder Erklären wieder Kontrolle über eine Situation zu gewinnen.
Natürlich lässt sich aus einzelnen Aussagen keine Diagnose ableiten. Das ist auch nicht meine Aufgabe als Coachin. Aber ich kann auf bestimmte Denk- und Verhaltensmuster achten, mögliche Zusammenhänge erkennen und mit gezielten Fragen herausfinden, was dahinterstecken könnte.
Häufig führt die Spur zu einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis: Wir möchten uns sicher fühlen.
Wir wollen wissen, woran wir sind, was uns erwartet und worauf wir uns verlassen können. Wenn uns diese Sicherheit fehlt, versuchen wir, sie selbst herzustellen. Wir sammeln Informationen, spielen Möglichkeiten durch, suchen nach Erklärungen und bereiten uns auf Eventualitäten vor. Das ist zunächst einmal sinnvoll. Schließlich hilft uns diese Fähigkeit, unser Leben zu gestalten und Schwierigkeiten zu bewältigen.
Schwierig wird es, wenn wir versuchen, auf diese Weise etwas zu kontrollieren, das sich unserem Einfluss entzieht.
Warum fehlende Sicherheit Stress auslösen kann
Dass Unsicherheit belastend sein kann, ist nicht nur eine Alltagserfahrung. Auch die neurowissenschaftliche Forschung beschäftigt sich mit diesem Zusammenhang. Die Neurowissenschaftler Dan Grupe und Jack Nitschke haben bereits 2013 in einer Übersichtsarbeit beschrieben, welche Rolle Unsicherheit bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angst und Anspannung spielen kann.
Dabei geht es nicht ausschließlich um tatsächliche Gefahren. Bereits die Ungewissheit darüber, ob etwas Bedrohliches passieren könnte, kann unsere Aufmerksamkeit und unsere körperlichen Stressreaktionen beeinflussen. Unser Gehirn versucht ständig, mögliche Entwicklungen vorherzusagen. Je weniger berechenbar eine Situation erscheint, desto schwieriger wird das.
Kontrolle kann deshalb eine Strategie sein, um Unsicherheit zu reduzieren. Wenn ich weiß, was passieren wird, kann ich mich vorbereiten. Wenn ich verstehe, warum jemand etwas tut, kann ich sein Verhalten möglicherweise besser einschätzen. Und wenn ich alle Eventualitäten durchdenke, bin ich vielleicht vor unangenehmen Überraschungen geschützt.
Zumindest hoffen wir das.
Denn genau hier liegt der Haken: Nicht alles lässt sich vorhersehen, verstehen oder beeinflussen. Und der Versuch, trotzdem vollständige Sicherheit herzustellen, kann selbst zu einer erheblichen Belastung werden.
Im Coaching achte ich deshalb auf verschiedene Anzeichen, die auf solche Kontrollversuche hindeuten können.
1. Du beschäftigst dich ausführlich mit Gesprächen, die längst vorbei sind
Stell dir vor, du erzählst mir von einer Unterhaltung, die dich noch immer beschäftigt. Du erinnerst dich an einzelne Formulierungen, an den Tonfall deines Gegenübers und vielleicht sogar an einen bestimmten Gesichtsausdruck. Immer wieder überlegst du, was du anders hättest sagen können und ob das Gespräch dann einen anderen Verlauf genommen hätte.
Worauf ich als Coachin achte: Mich interessiert zunächst, warum dieses Gespräch noch so viel Raum einnimmt. Gibt es tatsächlich etwas zu klären? Wurde eine Grenze überschritten? Oder versuchst du, im Nachhinein Einfluss auf eine Situation zu nehmen, die längst abgeschlossen ist?
Denn ein vergangenes Gespräch lässt sich nicht verändern. Du kannst daraus lernen, etwas richtigstellen oder erneut das Gespräch suchen. Aber du kannst nicht nachträglich bestimmen, wie dein Gegenüber deine Worte verstanden hat.
Was du verändern kannst: Frage dich, was tatsächlich noch offen ist. Gibt es einen konkreten Klärungsbedarf oder beschäftigt dich vor allem die Vorstellung, wie das Gespräch hätte verlaufen können? Wenn es etwas zu klären gibt, kannst du aktiv werden. Wenn nicht, darf das Gespräch auch einfach vorbei sein.
Eine Frage, die ich im Coaching stellen könnte, lautet: „Was müsste passieren, damit du dieses Gespräch für dich abschließen kannst?“ Die Antwort zeigt möglicherweise, ob du selbst noch etwas tun kannst oder ob du auf eine Reaktion wartest, die ein anderer Mensch liefern müsste.
2. Du möchtest unbedingt verstehen, warum andere Menschen so handeln
„Warum macht sie das?“ „Was steckt dahinter?“ „Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!“
Wenn jemand immer wieder versucht, das Verhalten eines anderen Menschen zu erklären, interessiert mich besonders, welche Bedeutung dieses Verstehen für die betreffende Person hat. Natürlich ist es sinnvoll, menschliches Verhalten einordnen zu wollen. Schließlich hilft uns das, unsere Beziehungen zu gestalten und angemessen zu reagieren.
Worauf ich als Coachin achte: Manchmal steckt hinter dem Wunsch nach einer Erklärung die Hoffnung, dass eine Situation dadurch wieder berechenbar wird. Wenn ich verstehe, warum jemand etwas tut, kann ich mich darauf einstellen und fühle mich möglicherweise weniger ausgeliefert.
Allerdings haben wir nicht immer Zugang zu den tatsächlichen Motiven anderer Menschen. Wir können Vermutungen anstellen, nachfragen und Zusammenhänge erkennen. Aber selbst eine plausible Erklärung muss nicht richtig sein. Und selbst wenn wir das Verhalten verstehen, können wir es deshalb noch lange nicht verändern.
Was du verändern kannst: Unterscheide zwischen dem, was du tatsächlich weißt, und dem, was du lediglich vermutest. Anschließend stellt sich eine weitere Frage: Was bedeutet das Verhalten des anderen Menschen konkret für dich und welche Handlungsmöglichkeiten hast du?
Du musst nicht alles verstehen, um entscheiden zu können, wie du damit umgehen möchtest. Manchmal reicht es, ein Verhalten zur Kenntnis zu nehmen und daraus die eigenen Konsequenzen zu ziehen.
3. Du bereitest dich auf Situationen vor, die möglicherweise niemals eintreten
Eine wichtige Besprechung steht bevor, ein schwieriges Gespräch oder eine Entscheidung. Du überlegst, was passieren könnte, entwickelst verschiedene Szenarien und legst dir passende Antworten zurecht. Bis hierhin ist das eine vernünftige Vorbereitung.
Doch irgendwann geht es immer weiter. Was ist, wenn dein Gegenüber anders reagiert als erwartet? Was machst du, wenn plötzlich eine neue Frage auftaucht? Und was passiert, wenn dein sorgfältig überlegter Plan nicht funktioniert?
Worauf ich als Coachin achte: Ich würde genauer hinschauen, ob die Vorbereitung noch deiner Handlungsfähigkeit dient oder längst zu einer gedanklichen Dauerschleife geworden ist. Denn zwischen vorausschauendem Denken und dem Versuch, sämtliche Unsicherheiten auszuschließen, liegt ein erheblicher Unterschied.
Hinter einer übermäßigen Vorbereitung kann die Hoffnung stecken, unangenehme Überraschungen vollständig vermeiden zu können. Nur gibt es keine Vorbereitung, die sämtliche Eventualitäten berücksichtigt.
Was du verändern kannst: Überlege dir vorab, woran du erkennen würdest, dass du ausreichend vorbereitet bist. Welche Informationen brauchst du wirklich? Welche Situationen sind realistisch? Und was könntest du auch spontan bewältigen?
Eine hilfreiche Coachingfrage lautet: „Was wäre schlimmstenfalls die Folge, wenn du nicht auf alles vorbereitet wärst?“ Häufig zeigt sich, dass wir mit unerwarteten Situationen durchaus umgehen können, auch wenn wir sie vorher nicht vollständig durchdacht haben.
4. Du fühlst dich für die Gefühle anderer Menschen verantwortlich
Jemand ist enttäuscht, verärgert oder zieht sich zurück. Und schon beginnt die Suche nach einer Lösung. Was kannst du sagen, damit die Stimmung wieder besser wird? Wie kannst du verhindern, dass dein Gegenüber traurig ist? Solltest du vielleicht doch nachgeben?
Worauf ich als Coachin achte: Hier interessiert mich besonders die Frage der Verantwortung. Natürlich beeinflussen wir mit unserem Verhalten auch die Gefühle anderer Menschen. Und selbstverständlich sollten wir Rücksicht nehmen. Aber wir können nicht bestimmen, wie andere Menschen empfinden.
Wenn jemand ständig versucht, die Gefühle anderer zu regulieren, würde ich genauer nachfragen, welche eigenen Bedürfnisse dabei möglicherweise auf der Strecke bleiben. Geht es um Rücksichtnahme oder darum, unangenehme Reaktionen anderer Menschen möglichst vollständig zu vermeiden?
Was du verändern kannst: Unterscheide zwischen deinem Verhalten und den Gefühlen deines Gegenübers. Du bist dafür verantwortlich, wie du mit anderen Menschen umgehst. Du kannst dich entschuldigen, wenn du jemanden verletzt hast, und du kannst deine Entscheidungen erklären. Aber du bist nicht automatisch dafür verantwortlich, dass anschließend alle zufrieden sind.
Manchmal gehört zur Selbstfürsorge auch, die Enttäuschung eines anderen Menschen auszuhalten, ohne sofort etwas daran ändern zu wollen.
5. Du möchtest möglichst alle Informationen haben, bevor du dich entscheidest
Gründlichkeit ist eine gute Eigenschaft. Wer sich informiert, Alternativen prüft und Konsequenzen berücksichtigt, handelt verantwortungsbewusst. Doch auch hier gibt es einen Punkt, an dem eine sinnvolle Strategie ins Gegenteil umschlagen kann.
Du recherchierst weiter, obwohl du bereits zahlreiche Informationen hast. Du holst zusätzliche Meinungen ein und vergleichst immer neue Möglichkeiten. Die Entscheidung rückt trotzdem nicht näher.
Worauf ich als Coachin achte: Mich interessiert, welche Informationen tatsächlich noch fehlen. Sind wichtige Fragen offen oder geht es inzwischen darum, eine falsche Entscheidung möglichst vollständig auszuschließen?
Viele Entscheidungen müssen wir treffen, ohne sämtliche Folgen vorhersehen zu können. Wer darauf wartet, dass jede Unsicherheit beseitigt ist, wird möglicherweise niemals zu einer Entscheidung kommen.
Was du verändern kannst: Frage dich, welche zusätzliche Information deine Entscheidung tatsächlich noch beeinflussen würde. Wenn dir darauf keine konkrete Antwort einfällt, könnte es sinnvoll sein, die Recherche zu beenden.
Im Coaching würde ich dann den Blick auf deine Werte und Prioritäten lenken. Was ist dir wichtig? Welche Lösung passt zu deinen Bedürfnissen und Lebensumständen? Welche Konsequenzen kannst du verantworten?
Eine gute Entscheidung ist nicht unbedingt diejenige, bei der garantiert nichts schiefgeht. Sondern eine, die du auf Grundlage der verfügbaren Informationen und deiner eigenen Maßstäbe treffen kannst.
6. Du kannst Dinge schwer stehen lassen, wenn sie dir falsch oder ungerecht erscheinen
Dieses Anzeichen finde ich besonders interessant. Jemand trifft eine Entscheidung, die du nicht nachvollziehen kannst. Regeln werden verändert, ohne dass du den Grund verstehst. Oder du erlebst eine Situation, die deinem Gerechtigkeitsempfinden widerspricht.
Du fragst nach, argumentierst und versuchst, die Angelegenheit zu klären. Das ist zunächst einmal kein problematisches Verhalten. Im Gegenteil: Es kann ausgesprochen sinnvoll sein, Entscheidungen zu hinterfragen und für die eigenen Interessen einzutreten.
Worauf ich als Coachin achte: Ich würde aufmerksam werden, wenn jemand trotz wiederholter erfolgloser Versuche gedanklich nicht mehr von einer Angelegenheit loskommt. Dabei ist mir eine Unterscheidung besonders wichtig: Eine Situation kann tatsächlich ungerecht, unklar oder widersprüchlich sein. Und gleichzeitig kann der Versuch, sie immer wieder gedanklich aufzulösen, zunehmend belastend werden.
Beides kann nebeneinander bestehen. Nicht jede belastende Reaktion auf eine schwierige Situation ist ein persönliches Problem. Manchmal sind die äußeren Umstände tatsächlich das Problem.
Was du verändern kannst: Prüfe zunächst, welche Möglichkeiten dir offenstehen. Kannst du ein Gespräch führen, Unterstützung suchen, eine Grenze setzen oder eine Konsequenz ziehen? Dann lohnt es sich, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Wenn du aber sämtliche realistischen Handlungsmöglichkeiten ausgeschöpft hast, verändert sich die Fragestellung. Dann geht es nicht mehr darum, wie du die Situation kontrollieren kannst, sondern darum, wie du verhindern kannst, dass sie dauerhaft deine Gedanken und Gefühle beherrscht.
Das bedeutet nicht, dass du die Situation gutheißen musst. Es bedeutet lediglich, dass du entscheiden darfst, wie viel Raum du ihr in deinem Leben weiterhin geben möchtest.
Was alle sechs Anzeichen gemeinsam haben
Vielleicht hast du dich in einigen dieser Beschreibungen wiedererkannt. Das bedeutet nicht automatisch, dass du ein übermäßiges Kontrollbedürfnis hast. Und schon gar nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Es lohnt sich allerdings, genauer hinzuschauen. Denn hinter dem Versuch, Situationen zu kontrollieren, können unterschiedliche Bedürfnisse stehen. Vielleicht möchtest du dich sicher fühlen, Fehler vermeiden, Konflikte verhindern oder sicherstellen, dass du fair behandelt wirst. Manchmal geht es auch darum, ein Gefühl von Ohnmacht nicht aushalten zu müssen.
Im Coaching interessiert mich deshalb weniger, ob jemand ein Kontrollproblem hat. Mich interessiert, welche Funktion das kontrollierende Verhalten für diesen Menschen erfüllt.
Denn erst wenn wir verstehen, wozu ein bestimmtes Verhalten dient, können wir überlegen, ob es noch hilfreich ist. Und wir können nach anderen Möglichkeiten suchen, das dahinterliegende Bedürfnis zu berücksichtigen.
Eine kleine Übung: Was liegt tatsächlich in deiner Hand?
Die folgende Übung orientiert sich an Stephen R. Coveys Modell des Circle of Influence. Covey unterscheidet zwischen Dingen, die uns beschäftigen, und solchen, auf die wir tatsächlich Einfluss nehmen können. Für die praktische Anwendung habe ich diese Unterscheidung in drei Bereiche gegliedert: Was kann ich selbst entscheiden, was kann ich beeinflussen und was liegt außerhalb meines Einflusses?
Wenn du merkst, dass dich eine Situation gedanklich stark beschäftigt, kannst du Folgendes ausprobieren. Nimm ein Blatt Papier und teile es in drei Spalten.
1. Das kann ich selbst entscheiden. Hier sammelst du alles, was unmittelbar in deinem Verantwortungsbereich liegt. Beispielsweise deine Worte, deine Entscheidungen, deine Grenzen und dein Verhalten.
2. Das kann ich beeinflussen. Hier gehören Dinge hinein, auf die du einwirken kannst, deren Ergebnis aber nicht allein von dir abhängt. Du kannst Argumente vorbringen, Vorschläge machen, Gespräche führen oder um Unterstützung bitten. Ob andere Menschen darauf eingehen, kannst du nicht bestimmen.
3. Das kann ich nicht kontrollieren. Hier stehen beispielsweise die Gedanken und Gefühle anderer Menschen, vergangene Ereignisse oder Entscheidungen, die außerhalb deines Einflussbereichs getroffen werden.
Schau dir anschließend deine drei Spalten an. Wo investierst du gerade besonders viel Energie? Und welche deiner Handlungsmöglichkeiten nutzt du vielleicht noch gar nicht?
Es geht nicht darum, die Dinge in der dritten Spalte gutzuheißen oder möglichst schnell zu akzeptieren. Es geht darum, deinen tatsächlichen Handlungsspielraum zu erkennen und deine Energie dort einzusetzen, wo sie etwas bewirken kann.
Warum Loslassen nicht bedeutet, aufzugeben
Vielleicht kennst du den gut gemeinten Rat: „Du musst einfach loslassen.“ Ich finde ihn wenig hilfreich. Denn wenn das so einfach wäre, würden wir es vermutlich längst tun.
Außerdem gibt es Situationen, in denen es durchaus angebracht ist, hartnäckig zu bleiben. Ungerechtigkeiten müssen nicht hingenommen und berechtigte Bedürfnisse nicht zurückgestellt werden. Manchmal braucht es sogar ausgesprochen viel Beharrlichkeit, um etwas zu verändern.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob du loslassen solltest, sondern ob dein bisheriges Verhalten dich deinem Ziel noch näherbringt.
Und manchmal lautet die Antwort eben: Nein.
Dann kann es sinnvoll sein, die eigene Strategie zu verändern. Nicht, weil dein Anliegen unwichtig geworden ist, sondern weil du deine Energie für etwas einsetzen möchtest, das du tatsächlich gestalten kannst.
Mein Fazit: Sicherheit entsteht nicht allein durch Kontrolle
Als Coachin beschäftige ich mich mit der Frage, wie Menschen ihre Handlungsmöglichkeiten erkennen und nutzen können. Dazu gehört auch, zwischen dem zu unterscheiden, was wir selbst gestalten können, und dem, was außerhalb unseres Einflussbereichs liegt.
Nachdenken, Planen, Analysieren und Hinterfragen sind wertvolle Fähigkeiten. Schwierig wird es, wenn wir damit versuchen, vollständige Sicherheit herzustellen. Denn wir können nicht verhindern, dass andere Menschen unverständlich handeln. Wir können nicht jede Entwicklung vorhersehen und auch nicht sämtliche Enttäuschungen vermeiden.
Was wir aber lernen können, ist ein anderer Umgang mit Unsicherheit. Wir können unsere eigenen Bedürfnisse besser verstehen, realistische Handlungsmöglichkeiten erkennen und darauf verzichten, unsere Energie dauerhaft in aussichtslose Kontrollversuche zu investieren.
Vielleicht besteht Gelassenheit gar nicht darin, weniger verstehen oder weniger gestalten zu wollen. Sondern darin, die Grenzen des eigenen Einflusses zu erkennen, ohne sich deshalb machtlos zu fühlen.
Das ist nicht immer einfach. Aber es lässt sich üben.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Grupe, D. W. & Nitschke, J. B. (2013): Uncertainty and anticipation in anxiety: an integrated neurobiological and psychological perspective. Nature Reviews Neuroscience, 14, 488–501.

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