Stell dir vor, das Leben wäre ein stürmisches Meer. Manchmal ist es ruhig, manchmal kippt es plötzlich. Und dann stehst du da: überrollt, müde, gereizt, innerlich auf Alarm.

Resilienz ist nicht „immer stark sein“. Resilienz ist auch nicht das neue Leistungsmerkmal, mit dem man sich noch schneller wieder funktionstüchtig macht. Resilienz ist die Fähigkeit, dich in Belastung zu regulieren, dich nach Rückschlägen wieder aufzurichten und handlungsfähig zu bleiben, ohne dich dabei selbst zu verlieren. Sie ist kontextabhängig, veränderlich und trainierbar.

Wenn du Resilienz so verstehst, wird sie automatisch realistischer. Und freundlicher. Eine kurze Definition zum Thema Resilienz findest du in meinem Glossar zu psychologischen Begriffen.

Was Resilienz wirklich ist (und was nicht)

Resilienz ist:

  • Selbstregulation statt Selbstüberforderung

  • Flexibilität im Denken statt innerer Starrheit

  • Eine stabile innere Beziehung zu dir selbst, auch wenn es außen wackelt

  • Die Fähigkeit, Unterstützung zu nutzen, statt alles allein zu tragen

Resilienz ist nicht:

  • Härte, Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch

  • „Ich darf nichts fühlen“

  • Ein Ersatz für faire Bedingungen, gute Strukturen und echte Erholung

Das ist mir wichtig, weil Resilienz im Alltag oft so verkauft wird, als müsstest du nur an dir arbeiten, dann passt das Leben schon. Das ist zu kurz gedacht.

Woran du merkst, dass dir gerade Resilienz fehlt (ohne Drama)

Resilienz ist selten ein Aha-Erlebnis. Meistens ist es ein Muster:

  • Du bist schneller gereizt als sonst

  • Du grübelst, aber kommst zu keiner Entscheidung

  • Du funktionierst, aber spürst dich kaum

  • Du ziehst dich zurück oder wirst hart zu dir selbst

  • Kleine Auslöser fühlen sich „zu viel“ an

Wenn du dich hier wiedererkennst: Kein Fehler. Das ist ein Signal. Und Signale kann man lesen lernen.

Drei Hebel, die Resilienz im Alltag tatsächlich aufbauen

1) Körper zuerst: Regulation schlägt Einsicht
Wenn dein Nervensystem im Stress ist, nützt dir die beste Erkenntnis wenig. Resilienz beginnt oft banal: Atmung, Schlaf, Essen, Bewegung, Pausen. Nicht als Wellness, sondern als Basis.

2) Denken entkatastrophisieren
Resiliente Menschen haben nicht weniger Probleme. Sie interpretieren sie anders. Typische Umstellung:

  • von „Ich schaffe das nie“ zu „Ich schaffe das heute noch nicht“

  • von „Das ist furchtbar“ zu „Das ist gerade schwer, aber begrenzt“
    Das ist kein Schönreden. Das ist Realismus.

3) Beziehung ist ein Schutzfaktor
Resilienz ist kein Solo-Projekt. Ein tragfähiger Kontakt, ein ehrliches Gespräch, eine Person, die dich nicht verbessern will, sondern sortiert mit dir. Das stabilisiert. Punkt.

Wenn du tiefer einsteigen willst: In meinem Cornerstone-Artikel zum sinnorientierten Coaching erkläre ich, wie wir genau solche inneren Prozesse strukturiert anschauen und verändern, ohne dich in Selbstoptimierung zu schicken.

Deine tägliche Resilienz-Checkliste

Diese Liste ist bewusst klein gehalten. Resilienz entsteht nicht durch einen großen Vorsatz, sondern durch Wiederholung.

1. Morgens: Positiv starten, ohne Kitsch

☐ Nimm dir 60 Sekunden, um ruhig anzukommen. Tief ein, langsam aus.
☐ Setze dir ein realistisches Tagesziel: Was ist heute „genug“?

2. Tagsüber: Achtsamkeit im echten Leben

☐ Mini-Check-in: Wo sitzt gerade Anspannung im Körper? Kannst du den Bereich beim Ausatmen lockern?
☐ Gedanken prüfen: Kritisiert du dich? Formuliere denselben Satz so, als würdest du ihn zu einer Person sagen, die du magst.

3. Beziehungen pflegen

☐ Hattest du heute Kontakt, der dir guttut? Eine Nachricht reicht.
☐ Hast du Unterstützung genutzt oder wenigstens in Betracht gezogen?

4. Umgang mit Stress: nicht wegdrücken, sondern steuern

☐ Was ist gerade wirklich los: Überforderung, Unsicherheit, Ärger, Traurigkeit?
☐ Was hilft dir konkret: Pause, Bewegung, Essen, Rückzug, Gespräch, Struktur?
☐ Wenn heute ein Rückschlag war: Was war der Auslöser, und was wäre beim nächsten Mal ein kleiner, realistischer Gegenschritt?

5. Abends: Reflektieren und loslassen

☐ Was hat heute funktioniert, obwohl es schwierig war?
☐ Was war ein kleiner Moment von Erleichterung oder Freude?
☐ Eine Mini-Aktion für morgen: warmes Getränk, 10 Minuten Spazieren, früher ins Bett, eine Sache weniger.

Resilienz wächst nicht durch Druck, sondern durch eine gute innere Führung

Resilienz ist kein Sprint. Sie ist Übung, Selbstkontakt und eine klare Entscheidung: Ich behandle mich nicht wie ein Problem, das schnell gelöst werden muss.

Und wenn du merkst, dass du dich im Kreis drehst, alte Muster immer wieder anspringen oder dein Stresssystem dauerhaft zu hoch läuft, dann ist das kein Beweis von Schwäche. Dann ist es ein Hinweis, dass du mehr brauchst als Selbsthilfe. Coaching kann hier sinnvoll sein, weil wir nicht nur Symptome managen, sondern Ursachen, innere Regeln und Automatismen sortieren.

Möchtest du deine Resilienz stärken? Nimm dir heute ein paar Minuten Zeit, um eine kleine Achtsamkeitspause einzulegen. Wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst, melde dich gerne bei mir!

Claudia Stellmacher-Köthe vom Klarplatz, Coaching und Hypnose