
„Ich bin nicht hypnotisierbar!“ – Diesen Satz höre ich oft in meiner Praxis, wenn es um das Thema Hypnose geht. Viele Menschen finden das Thema faszinierend, sind aber zugleich überzeugt, dass Hypnose bei ihnen nicht funktionieren würde. Dabei haben die meisten es noch nie selbst ausprobiert.
Studien zeigen, dass die meisten Menschen tatsächlich hypnotisierbar sind – 10 bis 15 Prozent sogar sehr gut.
Am Ende des Artikels kannst du einen kleinen Test machen und vielleicht schon eine Idee von deiner eigenen Hypnotisierbarkeit bekommen. Viel Spaß!
„Ich bin nicht hypnotisierbar!“ – Ein Mythos unter der Lupe
Ein häufiges Argument gegen Hypnose ist die Angst vor Kontrollverlust. Diese Sorge ist jedoch unbegründet. Die Vorstellung, Hypnose entziehe einem die Kontrolle oder man könne manipuliert werden, entspricht nicht der Realität. Hypnose ist vielmehr eine Zusammenarbeit zwischen der Person, die hypnotisiert, und Klientin oder Klient. Wer nicht hypnotisiert werden möchte, kann auch nicht gegen den eigenen Willen hypnotisiert werden. Die Befürchtung, die Kontrolle zu verlieren, habe ich in dem Blogartikel Angst vor Kontrollverlust in der Hypnose: Ein Missverständnis aufgeklärt beleuchtet.
Warum denken einige, sie seien nicht hypnotisierbar?
Wenn du glaubst, dass du zu den Menschen gehörst, die nicht hypnotisiert werden können, könnte das daran liegen, dass du unbewusst Barrieren aufgebaut hast. Diese dienen dazu, dich vor einem befürchteten Kontrollverlust zu schützen oder dich nicht mit Unbekanntem zu konfrontieren. Ein klärendes Gespräch mit deiner Hypnotiseurin oder deinem Hypnotiseur kann helfen, solche Vorurteile aufzulösen und den Prozess so anzupassen, dass er für dich wirksam und angenehm ist.
Das hat sich gar nicht wie Hypnose angefühlt!
Manchmal führt eine nicht sehr tiefe Trance in der ersten Sitzung zu dem Gefühl, gar nicht hypnotisiert worden zu sein. Viele haben auch eine falsche Vorstellung davon, wie sich Hypnose anfühlt. Es ist am ehesten vergleichbar mit der Phase kurz vor dem Einschlafen, wenn du noch alles um dich herum mitbekommst, aber dir bereits bewusst ist, dass du gleich auf eine andere Ebene hinabgleiten wirst. Hypnotisierbarkeit kann trainiert werden und verbessert sich oft mit der Zeit. Es lohnt sich also, einen weiteren Versuch zu unternehmen.
Die richtige Hypnoseform finden
Nicht jede*r reagiert gleich auf die verschiedenen Formen der Hypnose. Manche Menschen sprechen sehr gut auf Entspannungshypnosen an, aber nicht auf interaktive Hypnoseformen. Manchmal passt vielleicht auch eine alternative Behandlungsform wie der Yager-Code. Der Schluss, nicht hypnotisierbar zu sein, ist daher oft voreilig. Ein Gespräch kann helfen, das richtige Format für dich zu finden.
Wie misst man Hypnotisierbarkeit?
1. Standardisierte Skalen: Instrumente wie die Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility und die Stanford Hypnotic Susceptibility Scale sind weit verbreitet und validiert.
2. Subjektive Selbsteinschätzung: Neben standardisierten Skalen kannst du deine Hypnotisierbarkeit auch selbst auf einer Skala einschätzen, was Aufschluss über deine persönlichen Erfahrungen gibt.
3. Beobachtung während der Trance: Deine Hypnotiseurin wird dich während der Sitzung sorgfältig beobachten und Rückschlüsse auf deine Hypnotisierbarkeit ziehen. Anzeichen wie Entspannung, Fokussierung und Annahme von Suggestionen sind Indikatoren deiner Hypnotisierbarkeit.
Fazit
Bevor du annimmst, dass Hypnose nichts für dich ist, lohnt es sich, das Thema genauer zu erforschen. Hypnose ist ein vielseitiges Tool, das angepasst und geübt werden kann, um für die meisten Menschen wirksam zu sein. Wenn du Lust hast, dann schau doch mal in dem kleinen Test unten, wie es um deine Hypnotisierbarkeit steht. Viel Spaß dabei!
Persönlichkeitstest: Bin ich gut hypnotisierbar?
Frage 1: Wenn du ein Buch liest oder einen Film schaust, passiert es dir oft, dass du…
- A) komplett in die Geschichte eintauchst und alles um dich herum vergisst. (2 Punkte)
- B) meistens involviert bist, aber ab und zu bemerkst, was um dich herum passiert. (1 Punkt)
- C) leicht abgelenkt wirst und oft Pause machen musst. (0 Punkte)
Frage 2: Wenn du dich entspannen möchtest, wie leicht fällt es dir, körperliche Entspannung zu erreichen?
- A) Sehr leicht, ich kann fast sofort eine tiefe Entspannung fühlen. (2 Punkte)
- B) Es dauert eine Weile, aber ich komme dahin. (1 Punkt)
- C) Es ist ziemlich schwierig für mich, mich körperlich zu entspannen. (0 Punkte)
Frage 3: Wie oft tagträumst du?
- A) Sehr oft, meine Gedanken schweifen regelmäßig ab. (2 Punkte)
- B) Manchmal, besonders wenn ich müde oder gelangweilt bin. (1 Punkt)
- C) Selten, ich bin meistens ganz fokussiert. (0 Punkte)
Frage 4: Wenn du Anweisungen befolgst, findest du es leichter, wenn…
- A) sie dir verbal gegeben werden, und du schließt dabei die Augen, um dich besser zu konzentrieren. (2 Punkte)
- B) du sowohl zuhören als auch notieren kannst, was gesagt wird. (1 Punkt)
- C) du eine schriftliche Anleitung hast, die du in deinem eigenen Tempo durchgehen kannst. (0 Punkte)
Frage 5: Glaubst du, dass dein Geist offen für neue Erfahrungen ist?
- A) Ja, absolut. Ich liebe es, neue Dinge zu erkunden. (2 Punkte)
- B) Meistens ja, obwohl ich manchmal zögere. (1 Punkt)
- C) Ich bin eher vorsichtig und bevorzuge Vertrautes. (0 Punkte)

Auswertung:
- 0-4 Punkte: Du bist möglicherweise zu kontrolliert, um dich schnell auf eine Hypnose einzulassen. Deine Wachsamkeit und Neigung zur Vorsicht können es schwieriger machen, sich vollständig in den Hypnoseprozess fallenzulassen. Aber keine Sorge, Hypnose lässt sich üben und vielleicht tut es gerade dir besonders gut, den Kopf einmal ein wenig herunterzufahren.
- 5-7 Punkte: Du hast eine gute Hypnotisierbarkeit. Mit der richtigen Begleitung und etwas Neugier auf den Prozess kannst du wahrscheinlich ziemlich schnell gute Ergebnisse mit Hypnose erzielen.
- 8-10 Punkte: Du scheinst sehr offen für Hypnose zu sein! Deine Fähigkeit, in Geschichten einzutauchen, dich zu entspannen und neue Erfahrungen zu machen, deutet darauf hin, dass du wahrscheinlich gut auf Hypnose ansprechen kannst.
Das ist ein spielerischer Test, wenn du mehr wissen möchtest, dann lass uns reden.


[…] „Ich bin nicht hypnotisierbar!“ Schluß mit dem Mythos, teste dich selbst. […]
Ich werde nicht hypnotisirrbar sein, habe keine inneren Bilder (Afantasie ) – kann körperlich keine Gefühle fühlen (Alexithymie) sondern schließe aus dem Kontext auf mögliche Emotionen (rein kognitiv) und habe eine panische Angst, Kontrolle abzugeben (kein Ur- und kein Erfahrungsvertrauen) .
Auch beim Sex klappt eher nichts, weil ich mich nicht „fallen lassen“ kann
Hallo Matthias,
danke für deinen sehr offenen Kommentar. Afantasie schließt Hypnose grundsätzlich nicht aus. Nicht jede Hypnose arbeitet mit inneren Bildern. Manche Menschen erleben eher Gedanken, Worte, Körperempfindungen, Erinnerungen oder eine veränderte Aufmerksamkeit.
Auch bei Alexithymie geht es nicht zwangsläufig darum, dass keine Gefühle vorhanden sind, sondern häufig darum, sie schwer wahrnehmen, unterscheiden oder benennen zu können.
Der entscheidende Punkt in deiner Beschreibung scheint mir deine starke Angst vor Kontrollverlust zu sein. Hypnose bedeutet nicht, die Kontrolle abzugeben. Trotzdem braucht es ein Mindestmaß an Sicherheit und Vertrauen, damit man sich auf den Prozess einlassen kann.
Viele Grüße
Claudia
[…] „Ich bin nicht hypnotisierbar!“ Schluss mit dem Mythos, teste dich selbst. […]
Das ist das – was man mir in jetzt 15 Jahren Therapie letztlich auch sagt: Es scheiden solche Manöver wie die Vorstellung (Imagination) eines sicheren Ortes für mich aus, weil ich mir so was nicht vorstellen kann (Afantasie) – ich kann mir aber auch keine angenehme Geräuschkulisse oder einen angenehmen Duft vorstellen. Das dazu.
Zum Thema Alexithymie: also ich war mein Leben lang recht gesund und kenne Artzpraxen und Krankenhäuser von außen oder beruflich: ich kenne also eher KEINE somatischen Marker. Auch Gefühle wie Hunger, Durst oder Sättigung erschließe ich rein gedanklich und durch Erfahrung: ich esse, wenn die Zeit der Mahlzeit gekommen ist und ich achte auf die Menge. Wenn die Waage nach oben zeigt reduziere ich die Menge. Bin auch wenig schmerzempfindlich und kann auch gut heiße Dinge anfassen. (Ich gehe von einer schwachen Intereozeption aus. Ich nehme die Intereozeptionen nicht wirklich wahr. Also ich verwechsele nicht Gefühle mit eventuellen Krankheiten. Wenn ich wirklich etwas „fühle“, dann konnte bisher immer eine physische Ursache gefunden werden. Aber ich kenne das nicht anders – das war – meines Wissens – meine ganzen 75 Jahre schon so. Ich erschließe Gefühle durch die Situation oder das gesprochene Wort.
Die Psycho-Edukation hat die Sache nicht besser gemacht: dass da „Gefühle“ sein sollten (also etwas, was man wirklich taktil fühlen können sollte) – die wohl alle anderen fühlen – ich aber nicht – hat mich zusätzlich verunsichert. Wenn über Gefühle gesprochen wurde habe ich immer gedacht, etwas zu fühlen sei eine Metapher für etwas zu bewerten: wenn sich jemand traurig fühlt habe ich das gedeutet (bewertet), dass jemand z.B. einen Verlust erlitten hat, also für eine rein kognitive Sache..
Von daher bin ich natürlich „verkopft“ – mir steht nichts anderes zur Verfügung.
Ich habe schon mit 12 bis 14 viel Verantwortung übernommen – was auch die Pflicht zur ständigen Rechtfertigung beinhaltete. Auch in späteren Jahren war ich ausschließlich in leitenden Positionen mit viel Verantwortung und der wiederkehrenden „Rechtfertigungspflicht“ tätig.
Das war alles kein Problem für mich – nur sozialer, privater, persönlicher und intimer Kontakt ist für mich schwer und dort scheitere ich – trotz aller Anstrengungen meinerseits – eigentlich immer – ich muss nach 10 bis 20 Jahren erkennen, dass ich ausgenutzt und leistungsmässig und finanziell in schwierigere Situationen gekommen bin, die ich nur durch Trennung und durch ganz viel Aufwand, harter Arbeit und privatem Konsumverzicht wieder bereinigen konnte und das auch immer allein geschafft habe. Die Therapie hat mich in den letzten 15 Jahren dazu geführt, ständig an mir zu zweifeln und mein damals angeschlagenes Selbstbewusstsein nur noch stärker erschüttert.
Und genau diese Faktoren haben dazu geführt, dass ich als Kind kein Urvertrauen aufbauen konnte und die privaten negativen Erfahrungen haben dann eben nicht zu einem Erfahrungsvertrauen geführt. Ich war und bin auf mich allein gestellt.
Aus dem Grunde mag ich keine zentral wirksamen Substanzen (Alkohol, Nikotin, Drogen), weil die in entsprechenden Dosen das klare Denken und Entscheiden eintrüben: Ich habe nur meine Gedanken und ich muss mich darauf verlassen können. Ich denke, also bin ich (cogito ergo sum).
Auch zum Thema Autosuggestion muss ich passen: so was wie Autogenes Training oder Meditation will mir nicht gelingen: als durch mentale Aktionen Wärme oder Schwere zu „fühlen“ ist für mich nicht möglich. Schwere (= Gewicht) zeigt die Waage und Wärme ein Thermometer – dafür habe ich selbst keine Rezeptoren….
Hallo Matthias,
danke für deine ausführliche Schilderung. Ich merke, dass das Thema bei dir sehr persönlich und deutlich umfassender ist, als es in einer öffentlichen Kommentarspalte sinnvoll besprochen werden kann.
Deshalb möchte ich deine Erfahrungen hier nicht weiter einordnen oder diskutieren. Mein Beitrag beschreibt allgemeine Möglichkeiten. Er kann und soll keine individuelle Einschätzung leisten.
Viele Grüße
Claudia
Korrekt – und damit ist die Sache für mich abgeschlossen.
Im Prinzip – und das schreibst Du ja auch – setzt eine Hypnose ein gewisses Maß an Vertrauen voraus – wenn das gegeben ist, dann steht einer Hypnose nichts im Wege.
Nur damit sind Klienten „außen vor“, deren Problem gerade das Problem Urvertrauen / Erfahrungsvertrauen ist.