Gezeichnetes Vierhaar mit ratlosem Gesicht hinter einem großen roten Fragezeichen als Symbol für Unsicherheit und Entscheidungsfindung.

„Ich weiß einfach nicht, was ich will.“

Diesen Satz höre ich im Coaching ziemlich häufig. Manchmal geht es um einen Job. Manchmal um eine Beziehung. Um Selbstständigkeit oder Festanstellung. Um Bleiben oder Gehen. Um eine Veränderung, die seit Monaten im Raum steht und trotzdem nicht näher rückt. Die Versuchung ist groß, sofort mit einer Methode loszulegen. Wertearbeit. Entscheidungsmatrix. Tetralemma. Bodenanker. Karten. Hypnose. Schließlich soll im Coaching ja etwas passieren. Ich halte das inzwischen für einen Fehler.

Denn „Ich weiß nicht, was ich will“ ist zunächst einmal nur ein Satz. Noch keine genaue Beschreibung des Problems. Und schon gar keine Diagnose. Meine erste Aufgabe als Coachin ist deshalb nicht, einer Klientin möglichst schnell zu einer Entscheidung zu verhelfen. Ich möchte zuerst verstehen, was sie eigentlich meint, wenn sie sagt, dass sie nicht weiß, was sie will.

Denn hinter diesem einen Satz können völlig unterschiedliche Themen stecken.

Nicht wissen ist nicht gleich nicht wissen

Eine Klientin sagt: „Ich weiß nicht, ob ich kündigen soll.“

Das kann bedeuten, dass ihr wichtige Informationen fehlen. Sie weiß nicht, wie ihre finanzielle Situation nach einer Kündigung aussehen würde. Sie kennt den Arbeitsmarkt nicht. Sie hat noch keine Alternative und kann die möglichen Folgen deshalb schlecht einschätzen.

Es kann aber auch bedeuten: „Ich weiß eigentlich sehr genau, dass ich kündigen möchte. Ich habe nur Angst.“ Oder: „Ich möchte kündigen, aber mein Mann findet das unvernünftig.“ Oder: „Ich wünsche mir, dass mir jemand sagt, dass die Kündigung die richtige Entscheidung ist.“ Oder: „Ich will auf keinen Fall bleiben, aber ich will auch auf keinen Fall die Unsicherheit erleben, die mit einer Kündigung verbunden wäre.“

Das sind fünf völlig unterschiedliche Ausgangssituationen. Mit einer klassischen Pro-und-Contra-Liste würde ich in manchen dieser Fälle vielleicht eine Stunde lang sehr ordentlich am eigentlichen Thema vorbeiarbeiten.

Deshalb glaube ich den ersten Satz im Coaching nie sofort. Das klingt misstrauischer, als es gemeint ist. Natürlich glaube ich meiner Klientin, dass sie ihre Situation im Moment als unklar erlebt. Aber ich nehme nicht automatisch an, dass die erste Beschreibung schon die präziseste ist. Menschen kommen nicht mit sauber sortierten Anliegen ins Coaching. Wäre alles bereits sauber sortiert, bräuchten sie häufig kein Coaching. Sie kommen mit Sätzen wie: „Eigentlich ist alles gut, aber …“, „Ich müsste mich langsam mal entscheiden“, „Ich weiß gar nicht, warum mich das so belastet“, „Vernünftig wäre natürlich …“, „Alle sagen, ich sollte …“ oder „Ich weiß nicht, was mit mir los ist.“

Genau da beginnt für mich die Arbeit.

Ich höre auf einzelne Wörter

Sprache ist im Coaching kein Nebenschauplatz. Wenn jemand sagt: „Ich muss mich entscheiden“, frage ich mich, woher dieses Müssen kommt. Gibt es tatsächlich eine Frist? Oder hält die Klientin ihre eigene Unentschlossenheit nicht mehr aus? Wenn sie sagt: „Eigentlich möchte ich den Job gar nicht“, interessiert mich, was hinter dem Eigentlich steht. Wenn sie sagt: „Man kann doch mit 52 nicht noch einmal neu anfangen“, interessiert mich sehr, wer dieser ominöse Mensch namens „man“ ist. Und wenn der Satz lautet: „Vernünftig wäre es zu bleiben“, dann ist auch das zunächst eine Information. Vernunft hat offenbar bereits einen Platz am Tisch. Ich möchte wissen, wer dort sonst noch sitzt.

Vielleicht die Angst. Vielleicht die Sehnsucht. Vielleicht die finanzielle Realität. Vielleicht die Erwartungen der Familie. Vielleicht ein alter Glaubenssatz. Vielleicht auch schlicht Erschöpfung.

Ich zerlege Sprache nicht aus sprachlicher Pingeligkeit. Ich höre hin, weil Menschen häufig bereits in ihrer Wortwahl zeigen, wo der innere Konflikt liegt. Manchmal verändert sich eine Coachingstunde durch ein einziges Wort. Deshalb lege ich die Worte gerne auf die Goldwaage.

Kann die Klientin sich nicht entscheiden oder mag sie die Konsequenzen nicht?

Das ist für mich eine der wichtigsten Unterscheidungen in Entscheidungscoachings. Menschen sagen häufig, dass sie sich nicht entscheiden können. Bei genauerem Hinsehen stellt sich manchmal heraus: Sie können sehr wohl. Sie mögen nur die Folgen der Entscheidung nicht.
Eine Klientin möchte ihren Arbeitsplatz verlassen. Gleichzeitig möchte sie finanzielle Sicherheit. Ein Mann möchte seine Arbeitszeit reduzieren. Gleichzeitig möchte er auf keinen Fall weniger verdienen. Eine Klientin möchte sich selbstständig machen. Gleichzeitig wünscht sie sich eine Garantie, dass es funktioniert. Jemand möchte eine Beziehung beenden, aber den anderen Menschen nicht verletzen.

Das Problem ist dann nicht mangelnde Entscheidungsfähigkeit. Das Problem ist, dass jede realistische Entscheidung einen Preis hat.

Das klingt hart. Es ist aber häufig eine enorme Entlastung. Denn die Frage lautet plötzlich nicht mehr: „Warum bin ich so unfähig, mich zu entscheiden?“ Sie lautet: „Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?“ Das ist eine andere Frage. Und meist die, die weiterführt.

Coaching kann keine Entscheidung herbeizaubern, bei der alle Vorteile erhalten bleiben und sämtliche Nachteile verschwinden. Ich kann auch keine Sicherheit herstellen, wo es objektiv keine gibt. Ich kann aber dabei helfen, die verschiedenen Ebenen sichtbar zu machen: Was ist tatsächlich riskant? Was ist unangenehm? Was ist eine Befürchtung? Was wäre schlimm, aber zu bewältigen? Und was wäre für die Klientin tatsächlich nicht tragbar?

Diese Unterscheidungen sind wichtig. Angst wirft gern alles in einen Topf.

Manchmal fehlen schlicht Informationen

Nicht jedes Entscheidungsproblem ist ein innerer Konflikt. Das klingt banal. Wird aber im Coaching erstaunlich leicht übersehen.

Wenn mir eine Klientin erzählt, dass sie zwischen zwei beruflichen Möglichkeiten schwankt, kann es sein, dass sie überhaupt noch nicht genug über diese Möglichkeiten weiß. Wie hoch ist das tatsächliche Gehalt? Wie sehen die Arbeitszeiten aus? Welche Aufgaben gehören zur Stelle? Wie lang ist die Probezeit? Welche Kündigungsfrist gilt? Ist Homeoffice möglich? Was bedeutet die Entscheidung für die Krankenversicherung? Welche finanziellen Verpflichtungen bestehen?

Das sind keine Coachingfragen. Das sind Informationsfragen.

Ich halte nichts davon, ein Informationsdefizit mit einer tiefenpsychologisch anmutenden Übung lösen zu wollen. Manchmal besteht der nächste sinnvolle Schritt darin, eine E-Mail zu schreiben, eine Beratungsstelle anzurufen, einen Vertrag zu lesen oder eine Zahl auszurechnen. Auch das gehört für mich zu einem guten Coachingprozess. Nicht jede Unklarheit sitzt im Unterbewusstsein. Manche steht im Kleingedruckten.

Zu viele Möglichkeiten können genauso lähmen wie zu wenige

Es gibt Menschen, die glauben, sie hätten keine Wahl. Und es gibt Menschen, die haben acht Wahlmöglichkeiten und sind damit keinen Deut glücklicher.

Gerade bei beruflichen Neuorientierungen erlebe ich häufig eine enorme gedankliche Breite. „Ich könnte noch eine Weiterbildung machen.“ „Vielleicht gehe ich in die Beratung.“ „Eigentlich würde ich gern etwas Kreatives machen.“ „Selbstständigkeit könnte ich mir auch vorstellen.“ „Meine Freundin meint, ich sollte in den sozialen Bereich.“ „Und ich habe neulich eine Stelle bei einer Versicherung gesehen.“

Alles denkbar. Nichts greifbar. In solchen Situationen versuche ich nicht, noch mehr Möglichkeiten zu produzieren. Ideen sind dann nicht die Lösung. Es sind bereits genug da. Wir müssen reduzieren.

Welche Optionen sind realistisch? Welche passen zu den Fähigkeiten der Klientin? Welche zu ihrer aktuellen Lebenssituation? Welche sind echte Wünsche und welche nur theoretisch interessant? Welche Idee kommt immer wieder? Und welche klingt eigentlich nur gut, weil sie gesellschaftlich anerkannt, vernünftig oder sicher erscheint? Manchmal ist Coaching keine Schatzsuche sondern Entrümpelung.

Der Wunsch, niemanden zu enttäuschen

Ein besonders hartnäckiger Grund für Entscheidungsprobleme ist der Versuch, eine Entscheidung zu finden, mit der alle Beteiligten glücklich sind. Die Eltern sollen beruhigt sein. Der Partner soll sich nicht zurückgesetzt fühlen. Die Kolleginnen sollen nicht im Stich gelassen werden. Die Chefin soll nicht enttäuscht sein. Die Kinder sollen nichts von der Veränderung merken. Und die Klientin selbst hätte bitte auch gern noch ein gutes Gefühl.

Das kann schwierig werden. Deshalb frage ich dann manchmal sehr direkt: „Für wie viele Menschen versuchen Sie gerade, diese Entscheidung zu treffen?“ Es ist erstaunlich, wie voll ein Coachingraum plötzlich werden kann. Natürlich leben wir nicht im luftleeren Raum. Entscheidungen haben Auswirkungen auf andere Menschen. Verantwortung ist real. Rücksicht ist wichtig. Aber Rücksicht und Selbstaufgabe sind nicht dasselbe. Wenn eine Klientin alle denkbaren Reaktionen anderer Menschen vorwegnehmen und vermeiden möchte, arbeitet sie nicht mehr nur an einer Entscheidung. Sie versucht, die Gefühle ihres gesamten Umfeldes zu kontrollieren.

Das kann nicht funktionieren. Und auch hier liegt die eigentliche Arbeit manchmal nicht in der Entscheidung selbst. Sie liegt in der Frage, ob die Klientin aushalten kann, dass jemand ihre Entscheidung nicht gut findet.

Unsicherheit ist kein Beweis für eine falsche Entscheidung

Ein weiterer Denkfehler begegnet mir regelmäßig: die Erwartung, dass sich eine richtige Entscheidung eindeutig richtig anfühlen müsse. Klar. Ruhig. Vielleicht sogar befreiend. Tut sie aber nicht immer.
Eine gute Entscheidung kann Angst machen. Eine notwendige Entscheidung kann traurig machen. Eine richtige Entscheidung kann Zweifel auslösen. Und eine ausgesprochen schlechte Entscheidung kann sich kurzfristig wunderbar erleichternd anfühlen. Gefühle sind wichtige Informationen. Aber sie sind kein TÜV-Siegel.

Wenn eine Klientin sagt: „Ich habe noch Zweifel, deshalb kann es nicht richtig sein“, schaue ich mit ihr genauer hin. Woran zweifelt sie? Am Ziel? Am Weg? An den eigenen Fähigkeiten? An der Reaktion anderer? Oder daran, dass sie noch nie erlebt hat, wie es sich anfühlt, sich selbst wichtiger zu nehmen?

All das macht einen Unterschied. Ich möchte Gefühle im Coaching weder wegargumentieren noch zu Orakeln erklären. Ich nehme sie ernst. Und ich prüfe mit der Klientin, wofür sie stehen könnten.

Kopf, Herz, Bauch und Hand haben manchmal unterschiedliche Meinungen

Ich arbeite gern mit unterschiedlichen Perspektiven auf eine Entscheidung. Der Kopf sagt vielleicht: „Bleib. Sicheres Einkommen. Bekannte Abläufe. Du weißt, was du hast.“ Das Herz sagt: „Ich bin hier schon lange nicht mehr glücklich.“ Der Bauch meldet Unruhe, sobald die Klientin an Montagmorgen denkt. Und die Hand, also die konkrete Handlungsebene, sagt: „Ich habe seit sechs Monaten keine einzige Bewerbung geschrieben.“

Das ist interessant. Nicht, weil eine dieser Ebenen automatisch recht hat. Sondern weil Widersprüche sichtbar werden. Menschen erzählen sich manchmal jahrelang, dass sie dringend etwas verändern wollen. Gleichzeitig unternehmen sie nichts. Das kann Angst sein. Es kann Überforderung sein. Es kann aber auch bedeuten, dass der Veränderungswunsch weniger eindeutig ist, als die Person bisher dachte.

Auch das darf im Coaching herauskommen. Meine Aufgabe ist nicht, Veränderung zu produzieren. Ich bekomme keine Prämie für Kündigungen, Trennungen oder mutige Neuanfänge. Manchmal ist das Ergebnis eines Coachings die Erkenntnis: „Ich bleibe.“ Aber dann bitte als bewusste Entscheidung. Nicht als jahrelanger Schwebezustand mit täglichem innerem Hadern.

Ich wähle die Methode erst, wenn ich das Problem besser verstanden habe

Ich habe im Laufe der Jahre viele Methoden gelernt. Das ist hilfreich. Es birgt aber auch eine Gefahr. Wer einen gut gefüllten Methodenkoffer besitzt, möchte ihn gern aufmachen. Ich versuche, das nicht zu früh zu tun. Nicht jede Klientin braucht eine Visualisierung. Nicht jedes Problem braucht Hypnose. Nicht jede Entscheidung braucht ein Tetralemma. Und Karten sind kein Selbstzweck, auch meine Vierhaarkarten nicht.

Die entscheidende Frage lautet für mich: Was könnte dieser Klientin bei genau diesem Anliegen helfen?

Bei einer sehr verkopften Klientin kann es sinnvoll sein, eine Entscheidung räumlich sichtbar und körperlich erfahrbar zu machen. Bei einer anderen Person braucht es zunächst eine nüchterne Struktur. Was wissen wir? Was wissen wir nicht? Welche Annahmen werden gerade wie Tatsachen behandelt? Welche Optionen existieren tatsächlich? Wo liegen Fristen?

Bei einem inneren Konflikt kann ich mit verschiedenen Anteilen oder Perspektiven arbeiten. Wenn eine Klientin gedanklich immer wieder in denselben Schleifen landet, kann Hypnose eine Möglichkeit sein, einen anderen Zugang zu ermöglichen. Und manchmal sitzen wir einfach da und reden. Gutes Coaching erkennt man aus meiner Sicht nicht an der Anzahl der eingesetzten Methoden. Manchmal ist die kompetenteste Entscheidung einer Coachin, eine Methode nicht einzusetzen.

Hypnose nimmt niemandem eine Entscheidung ab

Weil ich auch als Hypnocoachin arbeite, begegnet mir gelegentlich die Hoffnung, man könne die Entscheidung vielleicht einfach an das Unterbewusstsein delegieren. Ich überspitze ein wenig. Aber nur ein wenig. Natürlich kann Hypnose bei Entscheidungsprozessen hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, innere Blockaden wahrzunehmen, Abstand zu ständig kreisenden Gedanken zu gewinnen oder den Zugang zu eigenen Bedürfnissen zu erleichtern. Aber auch das Unterbewusstsein ist keine allwissende Instanz mit direkter Leitung zur Wahrheit. Hier kannst du mehr über Hypnose und wie sie wirkt, nachlesen.

Ich würde niemals suggerieren: „Ihr Unterbewusstsein kennt die richtige Entscheidung.“ Woher denn?

Auch unbewusste Prozesse beruhen auf Erfahrungen, Prägungen, Ängsten und gelernten Mustern. Hypnose kann einen anderen Zugang schaffen. Sie ersetzt aber weder Informationen noch Verantwortung. Am Ende lebt die Klientin mit ihrer Entscheidung. Nicht ihr Unterbewusstsein. Und schon gar nicht ich.

Ich entscheide nicht für meine Klientinnen

Das klingt selbstverständlich. In der Praxis ist es eine der wichtigsten Grenzen meiner Arbeit. Natürlich habe ich manchmal eine Meinung. Ich bin ein Mensch. Wenn mir jemand eine berufliche Situation schildert, denke ich vielleicht: Da würde ich keine drei Wochen mehr bleiben. Wenn eine Klientin zum siebten Mal erklärt, warum sie eine bestimmte Möglichkeit auf keinen Fall wahrnehmen kann, kann ich durchaus eine Vermutung haben, was gerade passiert.

Aber meine Meinung ist nicht das Ergebnis des Coachings. Ich kenne nie das ganze Leben eines Menschen. Ich trage nicht die finanziellen Folgen. Ich wache nicht nachts mit den Konsequenzen auf. Ich lebe nicht in der Beziehung. Ich gehe montags nicht zu diesem Arbeitsplatz.

Deshalb finde ich Ratschläge im Coaching häufig problematisch. „Sie sollten kündigen.“ „Sie müssen mehr auf sich hören.“ „Sie müssen endlich Grenzen setzen.“ Solche Sätze sind schnell gesagt. Und sie klingen wunderbar klar. Klarheit ist allerdings nicht automatisch Kompetenz. Ich darf als Coachin Hypothesen anbieten. Ich darf widersprechen. Ich darf auf Widersprüche hinweisen. Ich darf sagen: „Mir fällt auf, dass Sie bei jeder Möglichkeit zuerst erklären, warum sie nicht funktionieren kann.“

Ich darf auch sehr direkt sein. Aber die Entscheidung bleibt bei der Klientin. Das ist keine höfliche Zurückhaltung. Das ist für mich eine Frage der Verantwortung.

Manchmal frage ich unbequem

Wertschätzung wird im Coaching gelegentlich mit Sanftheit verwechselt. Das sehe ich anders. Ich kann einen Menschen sehr wertschätzen und ihm trotzdem eine unbequeme Frage stellen.

Zum Beispiel:

  • „Was müsste passieren, damit Sie endlich nicht mehr entscheiden müssen?“
  • Oder: „Angenommen, Sie wüssten längst, was Sie wollen. Was würden Sie dann sagen?“
  • Oder: „Welche Konsequenz versuchen Sie gerade um jeden Preis zu vermeiden?“
  • Oder: „Wessen Enttäuschung wäre für Sie am schwersten auszuhalten?“
  • Oder auch: „Sie sagen seit einer halben Stunde, dass Sie keine Wahl haben. Gleichzeitig haben Sie mir vier Möglichkeiten genannt. Was meinen Sie also tatsächlich mit ‚keine Wahl‘?“

Solche Fragen können etwas bewegen. Sie können aber auch danebengehen. Eine gute Coachingfrage ist nicht deshalb gut, weil sie auf einer Postkarte beeindruckend klingt. Sie muss zum Menschen, zur Situation und zum richtigen Zeitpunkt passen.

Und manchmal braucht eine Klientin keine brillante Frage. Sie braucht fünf Minuten Ruhe, um auf eine einfache Frage endlich ehrlich antworten zu können.

Nicht jede Coachingstunde endet mit Klarheit

Ich bin extrem vorsichtig bei Coachingversprechen wie: „In 90 Minuten zu völliger Klarheit.“

Manchmal passiert genau das. Eine Klientin kommt mit einem scheinbar riesigen Knoten und merkt nach zwanzig Minuten, dass sie ihre Entscheidung eigentlich längst getroffen hat. Das sind schöne Stunden. Es gibt aber auch andere.
Manchmal wird eine Situation im Coaching zunächst komplizierter, weil sichtbar wird, dass hinter der beruflichen Frage auch eine finanzielle Sorge steckt. Und hinter der finanziellen Sorge ein Konflikt in der Partnerschaft. Und hinter dem Konflikt die Frage, wie viel Eigenständigkeit sich die Klientin überhaupt zugesteht. Dann wäre es unseriös, nach 90 Minuten einen Flipchartbogen hochzuhalten, auf dem „Lösung“ steht.

Manchmal lautet das Ergebnis: „Jetzt verstehe ich wenigstens, warum ich feststecke.“

Ich halte das für einen wichtigen Fortschritt. Denn ein klar beschriebenes Problem lässt sich bearbeiten. Ein diffuser Nebel aus „Ich weiß nicht, was mit mir los ist“ deutlich schwerer. Coaching muss nicht immer sofort lösen. Gutes Coaching sollte aber präzisieren.

Woran ich merke, dass sich etwas verändert hat

Nicht immer fällt am Ende einer Coachingstunde eine große Entscheidung. Ich achte deshalb auf andere Veränderungen.

Die Sprache wird genauer. Aus „Ich habe keine Wahl“ wird: „Ich sehe zwei Möglichkeiten und beide haben Nachteile.“ Aus „Ich weiß nicht, was ich will“ wird: „Ich weiß, was ich will, aber ich habe Angst vor der finanziellen Unsicherheit.“ Aus „Ich muss bleiben“ wird: „Ich entscheide mich im Moment zu bleiben, weil mir Sicherheit gerade wichtiger ist.“

Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten. Sind es aber nicht. Im ersten Satz ist der Mensch seinem Problem ausgeliefert. Im zweiten kann er damit arbeiten. Für mich ist das ein wesentlicher Teil von Coaching: aus einem großen, diffusen Gefühl eine bearbeitbare Frage zu machen. Nicht jede Klientin braucht mehr Mut. Nicht jede braucht mehr Selbstbewusstsein. Nicht jede muss loslassen.

Manchmal braucht sie schlicht eine präzisere Beschreibung dessen, was gerade passiert.

„Ich weiß nicht, was ich will“ ist manchmal nur der Anfang

Ich mag diesen Satz inzwischen. Nicht, weil ich es schön finde, wenn Menschen ratlos vor mir sitzen. Sondern weil ich weiß, wie viel sich dahinter verbergen kann. Ein Informationsdefizit. Ein Wertekonflikt. Angst. Erschöpfung. Die Erwartungen anderer. Zu viele Möglichkeiten. Ein sehr klarer Wunsch, dessen Konsequenzen unbequem sind. Oder tatsächlich eine Phase, in der ein Mensch noch keine Antwort hat.

Auch das gibt es.

Nicht jede offene Frage muss innerhalb von drei Tagen geschlossen werden. Meine Arbeit besteht dann nicht darin, eine Antwort aus einer Klientin herauszupressen. Ich höre hin. Ich frage nach. Ich sortiere mit ihr. Ich stelle Vermutungen infrage. Ich weise auf Widersprüche hin. Ich biete Perspektiven und Methoden an, wenn sie sinnvoll sind.

Und manchmal sage ich auch: „Ich glaube, Sie wissen ziemlich genau, was Sie wollen. Wir reden seit einer Stunde darüber, warum Sie es sich nicht erlauben.“ Dann wird es meistens interessant.

Denn „Ich weiß nicht, was ich will“ ist häufig nicht das Ende einer Überlegung.

Es ist der Anfang.

Weißt du nicht, was du willst oder gefällt dir keine der Konsequenzen?

Manchmal braucht es keinen weiteren guten Rat und auch keine fünfte Pro-und-Contra-Liste. Es braucht einen genauen Blick darauf, wo du eigentlich feststeckst.

Im Coaching sortieren wir nicht nur deine Möglichkeiten. Wir schauen darauf, was hinter deiner Unklarheit steckt und welcher nächste Schritt tatsächlich sinnvoll ist.

Wenn du deine Gedanken nicht länger allein im Kreis schicken möchtest, vereinbare einen Kennenlerntermin mit mir.

Claudia Stellmacher-Köthe, Coachin und Hypnose-Spezialistin

Hier kurz und offiziell: Über Claudia Stellmacher-Köthe

Claudia Stellmacher-Köthe ist Diplom-Pädagogin, Coachin und Hypnose-Spezialistin. Sie betreibt seit 2020 die Praxis Klarplatz in Hannover. Ihr Schwerpunkt liegt auf sinnorientiertem Coaching, Hypnose und der Arbeit mit inneren Widerständen, strukturiert, zugewandt und ohne Heilsversprechen. In ihrem Blog schreibt sie über Coaching, Hypnose und das, was Menschen wirklich bewegt. 2024 erschien ihr Buch Einfacher wird es nicht (aber vielleicht schöner), mit kurzen Geschichten, alltagstauglichen Impulsen und ihren handgezeichneten Vierhaar®-Figuren.