
Birgit Ising fragt in ihrer Blogparade, was wir heute über uns und das Leben wissen, das wir gern früher gewusst hätten. Da kommt einiges zusammen. Für 100 Erkenntnisse reicht meine Geduld allerdings nicht.
Deshalb kommen hier 47 Dinge, für die ich teilweise erstaunlich viele Umwege gebraucht habe.
- Understatement schützt nicht zuverlässig vor Neid oder Kritik.
- Humor löst nicht jedes Problem. Aber er macht viele Probleme besser erträglich.
- Menschen sind komische Leute. Ich gehöre ausdrücklich dazu.
- Ein Umweg ist nicht automatisch verlorene Zeit.
- Manche Fähigkeiten entwickeln sich erst, wenn man aufhört, sich für unbegabt zu halten.
- Ich kann meine Meinung ändern, ohne meine frühere Meinung nachträglich für dumm erklären zu müssen.
- Nicht jede Entscheidung braucht hundertprozentige Sicherheit. Die gibt es meistens sowieso nicht.
- Selbstbewusstes Auftreten und tatsächliche Ahnung sind zwei verschiedene Dinge.
- Selbstzweifel und tatsächliche Inkompetenz übrigens auch.
- Manchmal ist „Ich weiß es noch nicht“ die vernünftigste Antwort im Raum.
- Eine gute Idee muss nicht sofort ein neues Projekt werden.
- Nicht alles, was ich anfange, muss zu einem Geschäftsmodell werden.
- Eine schöne Idee kann auch dann wertvoll sein, wenn sie nichts einbringt.
- Kreativität braucht weder eine Rechtfertigung noch einen messbaren Nutzen.
- Manche meiner besten Ideen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern beim Herumtrödeln.
- Nicht jede Fortbildung ist eine Offenbarung. Manche sind einfach ein sehr teurer Ordner.
- Erfahrung sieht von innen oft weniger beeindruckend aus, als sie von außen tatsächlich ist.
- Ich kann etwas gut können und es trotzdem anstrengend finden.
- Ich kann etwas gern machen und trotzdem Geld dafür nehmen.
- Arbeit muss nicht wehtun, um wertvoll zu sein.
- Ein voller Kalender ist kein Beweis für ein erfülltes Leben.
- Sicherheit und Freiheit sind keine Feindinnen. Manchmal müssen sie nur neu verteilt werden.
- Eine Festanstellung ist kein persönliches Versagen. Eine Selbstständigkeit ist auch kein Adelstitel.
- Ich kann stolz auf das sein, was ich aufgebaut habe, auch wenn ich es später verändere.
- Ein neuer Weg macht den bisherigen nicht falsch.
- Aufhören kann eine vernünftige Entscheidung sein. Weitermachen ebenfalls. Entscheidend ist der Grund.
- Ich bin nicht für alles verantwortlich, was ich bemerke.
- Nur, weil ich etwas lösen könnte, muss ich es nicht lösen.
- Ein Nein ist ein vollständiger Satz. Manchmal braucht es trotzdem einen Nebensatz, weil das die Schleife drumherum ist.
- Andere Menschen dürfen enttäuscht von mir sein. Ich überlebe das. Sie meistens auch.
- Harmonie ist schön. Ehrlichkeit ist häufig nützlicher.
- Nicht jeder Konflikt ist ein Kommunikationsproblem. Manchmal will jemand schlicht etwas anderes als ich.
- Professionalität bedeutet nicht, aus Teflon zu bestehen.
- Eine gute Coachin muss kein fertig gecoachter Mensch sein. Das wäre ohnehin eine verdächtige Vorstellung.
- Verletzlichkeit ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, wann, wo und wozu ich etwas von mir zeige.
- Älterwerden ist für mich keine Verlustgeschichte. Es ist oft eine Bereicherung: mehr Erfahrung, mehr Freiheit und mehr von mir selbst und gruselt mich trotzdem manchmal.
- Nicht alles muss sinnvoll oder nützlich sein. Manche Dinge dürfen einfach schön, albern oder köstlich sein.
- Ich muss nicht auf jeden Trend aufspringen. Die meisten fahren ohnehin irgendwohin, wo ich gar nicht hinwill.
- Vier Haare reichen für eine vollständige Persönlichkeit.
- Freude ist ein ausreichender Grund.
- Ich muss nicht jedes Buch kaufen, das mir empfohlen wird.
- Ein Hund ist eine absolute Bereicherung im Leben.
- Mein Bauchgefühl hat erstaunlich oft recht. Ich darf ihm zuhören.
- Mit dem Erwachsenwerden ist man offenbar nie fertig.
- Es gibt kein Ehrenabzeichen für unnötiges Aushalten.
- Es gibt Menschen, mit denen wird es nicht leichter. Egal, wie gut ich kommuniziere.
- Ich muss nicht aus allem etwas lernen. Manches war einfach nur blöd.
Beim Lesen dieser Liste fällt mir auf, dass ich früher oft dachte, irgendwann müsse ich „fertig“ sein: sicher, souverän, vollkommen entschieden und möglichst frei von inneren Widersprüchen. Heute halte ich das für eine ziemlich anstrengende Vorstellung.
Ich bin nicht fertig. Ich bin erfahrener, neugieriger und klarer geworden. Ich erkenne manches schneller, entscheide bewusster und laufe nicht mehr gegen jede Wand, nur weil sie im Weg steht.
Manchmal nehme ich die Tür. Manchmal bleibe ich stehen und frage mich, wer diese Wand dort überhaupt hingestellt hat. Und manchmal male ich ihr einfach vier Haare.
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