Vierhaar-Zeichnung einer fröhlich springenden Figur mit hochgereckten Armen, passend zum Thema Purpose und Lebensfreude.

Manche beruflichen Wege sehen im Rückblick ordentlicher aus, als sie sich unterwegs angefühlt haben.

Bei mir beginnt eine wichtige Linie im Freiwilligen Sozialen Jahr. Damals begegnete ich zum ersten Mal einer Diplom-Pädagogin: Cornelia, meiner Kindergartenleitung. Sie war frisch fertig mit dem Studium und arbeitete im Kindergarten.

Bis dahin war Pädagogik für mich kein konkretes Studienfeld. Durch Cornelia bekam es eine Form. Ich sah: Das ist nicht einfach „irgendwas mit Kindern“. Da geht es um Entwicklung, um Verstehen, um Begleitung, um Strukturen und um die Frage, was Menschen brauchen, um ihren Weg zu finden.

Neben diesem neuen Interesse gab es etwas, das schon länger da war: Menschen erzählten mir viel. Ich hörte gern zu. Besonders dann, wenn Gespräche nicht an der Oberfläche blieben. Aus dem FSJ ist mir auch ein Satz von Cornelia geblieben: „Praktikantinnen heißen Praktikantinnen, weil sie so praktisch sind.“

Bei mir meinte sie das wörtlich. Ich hatte Ideen, packte an und fand Lösungen. Auch diese Seite gehört zu meiner Arbeit: nicht nur verstehen, sondern etwas daraus machen.

Nach dem FSJ war klarer, dass Pädagogik für mich eine Richtung sein könnte. Beratung war noch kein fertiger Plan, aber ein deutliches Interesse. Menschen verstehen. Entwicklung begleiten. Mitdenken, wenn jemand an einem Übergang steht.

Der Plan und die Wirklichkeit

Nach dem Studium kam dann nicht der direkte Einstieg in die Beratung. Es gab keinen sauberen Anschluss. Niemand wartete auf eine junge, motivierte Diplom-Pädagogin und sagte: „Gut, dass Sie da sind. Genau Sie haben uns noch gefehlt.“

Stattdessen lief das Leben anders. Jobs. Hausverwaltung. Kinder. Alltag. Organisation. Verantwortung. Vieles gleichzeitig. Vieles, das geregelt werden musste. Das waren keine leeren Jahre. Sie waren nur anders voll. Hausverwaltung klingt auf dem Papier nicht nach Pädagogik. Im Alltag hat sie aber sehr viel mit Menschen zu tun. Mit Konflikten, Geld, Grenzen, Zuständigkeiten, Erwartungen, Ärger, Absprachen und der Frage, wie man Dinge klärt, ohne alles noch komplizierter zu machen.

Kinder großziehen ist auch kein kleiner Verwaltungsposten am Rand des Lebens. Es ist Organisation, Beziehung, Geduld, Improvisation und sehr viel Selbststeuerung. Meist ohne Konferenzraum und ohne Protokoll. Die Beratungslinie war also nicht weg. Sie stand nur nicht auf dem Türschild.

Irgendwann reichte es nicht mehr

Der Wunsch, noch einmal eine Ausbildung zu machen, blieb die ganze Zeit da. Nicht täglich laut. Aber dauerhaft vorhanden. Es fehlte lange nicht das Interesse. Es fehlte der passende Moment. Der kam später, ziemlich klassisch: als die Kinder groß genug waren und wieder mehr Raum entstand. Das klingt nach Klischee. War aber so.

Irgendwann fehlten nicht die Aufgaben. Davon gab es genug. Es fehlten Sinn und Tiefe. Es ging nicht darum, den Alltag schlechtzureden. Es ging eher um die Frage: Soll es das jetzt gewesen sein? Oder nehme ich den alten Faden noch einmal auf? Dazu kam der Wunsch, mich noch einmal herauszufordern. Noch einmal etwas Neues zu lernen. Nicht nur routiniert zu funktionieren. Natürlich war auch der Gedanke da: Bin ich dafür nicht zu alt?

Und dann kam eine Portion Trotz dazu. Wenn das jetzt ernsthaft das Argument sein soll, dann erst recht.

Was von außen kleiner aussah, als es war

Der erste konkrete Schritt war die Ausbildung „Personal Coaching und psychologische Beratung“ bei der SGD. Nach dem Probemonat war klar: Das bleibt nicht bei einem Versuch. Das ziehe ich durch. Ich habe diese Ausbildung ernst genommen. Sehr ernst sogar. Wie immer, wenn ich etwas anfange, das mir wirklich wichtig ist.

Auf mein Umfeld wirkte es ein wenig anders. Solche Ausbildungen landen schnell in einer bestimmten Schublade: ein bisschen Selbstverwirklichung, ein bisschen Frauenhobby, ein bisschen Beschäftigung, wenn die Kinder größer werden. Das klingt abfällig. Und genau so fühlte es sich manchmal an.

Für mich war es aber kein Hobby. Es war ein beruflicher Schritt. Noch nicht fertig sortiert, noch nicht mit Praxis, Website und Angebot dahinter. Aber innerlich war klar: Das ist nicht nebenbei. Das ist ernst.

Das hat sich verändert. Heute werde ich mit meiner Arbeit anders wahrgenommen. Nicht überall, nicht von allen, und auch nicht automatisch. Aber im fachlichen Austausch merke ich: Das, was ich mache, wird ernst genommen.

Das war am Anfang nicht selbstverständlich.

Aus einer Ausbildung wurde eine Richtung

Die Ausbildung bei der SGD wurde zur Grundlage für das, was später Klarplatz wurde. Mit den Themen kam auch der Wunsch, weiterzugehen. Mehr zu verstehen. Tiefer einzusteigen. Nicht bei einem Zertifikat stehenzubleiben und zu sagen: So, fertig.

Das Konzept des lebenslangen Lernens war für mich nicht neu, aber ab da bekam es einen sehr konkreten Platz. Seitdem lerne ich weiter. Mal in größeren Ausbildungen, mal in kleineren Fortbildungen, mal durch Bücher, Fachgespräche, eigene Konzepte oder durch das, was in Sitzungen sichtbar wird.

Einige Jahre später kam die Hypnose dazu. Ein Thema, das mich schon lange fasziniert hatte. Für mich ergänzt Hypnose das Coaching sehr gut. Coaching arbeitet stärker mit Sprache, Reflexion, Struktur und bewusster Orientierung. Hypnose öffnet noch einmal einen anderen Zugang. Weniger über das reine Nachdenken, mehr über innere Bilder, Körperwahrnehmung und unbewusste Prozesse. Damit entstand nach und nach das zweite Standbein von Klarplatz.

Neben der eigenen Praxis arbeite ich als Honorarkraft für verschiedene Anbieter. Auch das gehört zu diesem Weg. Nicht nur die eigene Website, nicht nur der eigene Raum, nicht nur die frei gestalteten Angebote. Sondern ganz praktische Arbeit mit Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen Unterstützung brauchen.

Und genau dort zeigt sich immer wieder, warum dieser Weg Sinn macht. Es bringt etwas. Nicht immer spektakulär. Nicht immer sofort. Nicht immer so, wie man es vorher geplant hätte. Aber es bewegt etwas im Leben von Menschen. Manchmal wird ein Lebenslauf klarer. Manchmal entsteht wieder Zutrauen. Manchmal findet jemand Worte für etwas, das vorher diffus war. Manchmal geht jemand mit einem nächsten Schritt aus der Sitzung, der vorher nicht sichtbar war.

Das macht mich froh.

Die Klammer

Ich gehe auf die Sechzig zu. Nicht theoretisch. Sondern ziemlich konkret. Und ich finde: In diesem Alter darf eine Biografie so aussehen. Nicht glatt und nicht wie eine Karrierebroschüre. Das Pädagogikstudium am Anfang und die Arbeit, die ich heute mache, bilden für mich eine Klammer. Dazwischen lagen viele Jahre, die anders voll waren: Familie, Hausverwaltung, Jobs, Organisation, Verantwortung. Nicht falsch. Nicht leer. Nur nicht immer nah an dem, was früh schon da war.

Heute hält diese Klammer vieles zusammen. Sie macht aus den einzelnen Stationen keine perfekte Geschichte. Aber eine stimmige.

Vielleicht war es also gar kein Neuanfang. Vielleicht war es eher ein Wiedererkennen.

Wenn du deinen eigenen beruflichen roten Faden sortieren möchtest, begleite ich dich gern dabei. Im sinnorientierten Coaching bei Klarplatz schauen wir auf das, was war, was heute wichtig ist und welcher nächste Schritt wirklich passt.

Claudia Stellmacher-Köthe, Coachin und Hypnose-Spezialistin

Hier kurz und offiziell: Über Claudia Stellmacher-Köthe

Claudia Stellmacher-Köthe ist Diplom-Pädagogin, Coachin und Hypnose-Spezialistin. Sie betreibt seit 2020 die Praxis Klarplatz in Hannover. Ihr Schwerpunkt liegt auf sinnorientiertem Coaching, Hypnose und der Arbeit mit inneren Widerständen, strukturiert, zugewandt und ohne Heilsversprechen. In ihrem Blog schreibt sie über Coaching, Hypnose und das, was Menschen wirklich bewegt. 2024 erschien ihr Buch Einfacher wird es nicht (aber vielleicht schöner), mit kurzen Geschichten, alltagstauglichen Impulsen und ihren handgezeichneten Vierhaar®-Figuren.